Unsere erwachsenen Kinder erzählen von ihren Reisen – der eine aus Lateinamerika – die andere aus Tansania.
Sie bereisen die Welt – erleben, erschrecken, erkennen Schönheiten und Missstände, Gegebenheiten, Unvorstellbares.
Ich lausche ihren Erzählungen und denke: Wie gut, dass sie ihren Horizont erweitern, wie gut, zu erkennen, dass wir nur ein kleiner Teil dieses großen Ganzen sind, das aber scheinbar gerade immer mehr aus den Fugen gerät.
Ich höre auch den Fatalismus aus ihren Erzählungen, sie sagen, es ist Realismus.
Aber da möchte ich nicht stehen bleiben: Visionen möchte ich immer noch haben, die Hoffnung, ja die Gewissheit, dass es gut werden kann.
Ich lese die Losung von heute: (Psalm 77, 9).
„Hilf du uns, Gott, unser Helfer, um deines Namens Ehre willen! Errette uns und vergib uns unsere Sünden um deines Namens Willen.“ Und der Lehrtext dazu steht im Lukasevangelium 24, 47: „In seinem Namen wird allen Völkern Umkehr verkündigt werden zur Vergebung der Sünden.“
Ich bleibe bei der Verkündigung zur Umkehr an alle Völker stecken.
Jesus sagt diese Worte seinen Jüngern kurz bevor er in den Himmel fährt, es ist sein Auftrag an sie, seine Botschaft weiterzutragen in die Welt.
Wo stehen wir heute?
Hier ein Gedicht von Hanns Dieter Hüsch:
Ich setz auf die Liebe!
Ich setze auf die Liebe
das ist das Thema
den Hass aus der Welt zu entfernen
bis wir bereit sind zu lernen
dass Macht, Gewalt, Rache und Sieg
nicht anderes bedeuten als ewiger Krieg
auf Erden und dann auf den Sternen.
Ich setzte auf die Liebe
wenn Sturm mich in die Knie zwingt
und Angst in meinen Schläfen buchstabiert
ein dunkler Abend mir die Sinne trübt
ein Freund im anderen Lager singt
ein junger Mensch den Kopf verliert
ein alter Mensch den Abschied übt.
Ich setze auf die Liebe
das ist das Thema
den Hass aus der Welt zu vertreiben
ihn immer neu zu beschreiben.
Die einen sagen es läge am Geld – gut das ist sicher nicht ganz falsch
die anderen sagen es wäre die Welt
sie läg´ in den falschen Händen – da ist auch manches richtig dran
Jeder weiß besser woran es liegt
nur es hat noch niemand
noch niemand den Hass besiegt
ohne ihn selbst zu beenden.
Er kann mir sagen was er will
er kann mir singen wie er´s meint
und mir erklären was er muss
und auch begründen wie er´s braucht
Ich setze auf die Liebe! Schluss!
Ach ja, da komme ich mit der Liebe – ist das zu naiv, zu platt, zu unrealistisch?
Aber erlebt haben wir sie doch alle irgendwie schon mal:
Matthias Claudius drückt es so aus:
Da steht man und zittert und verstummt und das Herz fängt einem an zu schlagen und die Wangen glühen und man weiß nicht wie und warum. Und gerade da, wo die Philosophie scheitert und sich die Vernunft hinter dem Ohr kratzen muss, wo man ein Sausen hört, aber nicht weiß, woher es kommt und wohin es führet, gerade da vermute ich Gottes Finger.
Matthias Claudius über die Liebe (Worte zum Tag, https://www.kirchenkreis-schleswig-flensburg.de)
Pfarrerin Iris Kaufmann
