Denn Gott hat seinen Engeln befohlen, dass sie dich behüten auf allen deinen Wegen. (Psalm 91,11)
Am 29. September haben die Engel in unserer evangelischen Tradition einen eigenen Gedenktag. Der Michaelistag ist dem Erzengel Michael und allen Engeln gewidmet.
Engel sind Boten Gottes und der Satz „Fürchte dich nicht“ ist ihr Erkennungszeichen, wenn sie in das Leben eines Menschen treten.
Um diese Botschaft zu unterstreichen, zeichnet die Bibel ein kräftiges, wehrhaftes Bild von Gottes guten Mächten. Die sind nicht niedlich und mit rosa Glitzer unterwegs, sondern groß und stark, mächtig im Streit, mutig sich auch dem größten Drachen, Tod und Teufel entgegenzustellen. So wie die Engel am Eingang unserer Christuskirche.
So einem Kämpfer nehme ich die Botschaft ab: „Hab keine Angst, ich bin an deiner Seite! Mach den nächsten Schritt.“
Oder auch: „Überleg noch mal, ob du wirklich auf dem richtigen Weg bist?“ In der Bibel wird erzählt, dass die Engel in das Leben eines Menschen treten, wenn etwas Wichtiges zu entscheiden ist. Bei Joseph zum Beispiel, als er kurz überlegt, ob das wirklich gut geht mit dieser jungen Frau und der sehr besonderen Schwangerschaft, erscheint ihm ein Engel im Traum und sagt: „Fürchte dich nicht, das wird gut gehen.“ Und: Gott sei Dank, Joseph bleibt!
Wenn die Jahreszeit sich ändert, wenn die Nächte wieder länger sind als die Tage und alles dunkler wird, ist eine Erinnerung an Gottes gute Mächte eine wichtige Stärkung. Das ist wie ein Licht anzünden. Ihre Zusage „Fürchte dich nicht“, „Hab keine Angst“ tut uns gut. Denn jeder braucht mal Unterstützung beim Drachentöten.
Max fürchtet sich vor dem Dunkel. Er mag nicht alleine einschlafen. Soviel geht ihm durch den Kopf. Da lauert bestimmt ein Drache unter meinem Bett.
Wenn Mama sagt: „Keine Angst Max, ich bin da. Komm, wir schauen unters Bett. Wir verjagen alles, was Angst macht.“ Ist sie eine würdige Vertreterin des Erzengels.
Herr Meier verliert sein Gedächtnis. Das macht ihn verrückt. Er hat Angst, dass sich alles auflöst. Die Demenz ist wie ein hinterhältiger Drache, der langsam an seinem Leben frisst und es dunkel macht. Doch wenn Herr Meier im Seniorenchor singt, dann sind plötzlich die Worte von alleine wieder da und die Gemeinschaft tut ihm gut. Drachenvertreiben mit Engelsstimmen.
Jan kriegt das nicht gut hin mit der Arbeit und dem Leben und der Familie. Der Drache legt sich auf seine Brust und flüstert: „Du schaffst das nicht!“ Der Schlaf will nicht kommen und in der Dunkelheit gewinnt der Drache an Kraft. Doch wenn seine Frau vorsichtig die Hand nach ihm ausstreckt und ihm zuflüstert: „Ich liebe dich!“, geht dem Drachen die Puste aus.
Drachen haben viele Namen: Armut, Krieg, Krankheit, Trauer und Sorge. Manche sind hartnäckig und böse. Angst und Einsamkeit ernähren sie. Doch das Engelwort macht ihnen zu schaffen. Wenn da einer sagt: „Fürchte dich nicht. Ich bin an deiner Seite. Komm, wir vertreiben den Drachen. Dann wird es heller.“
Gott sei Dank für die Engel in unserem Leben. Für Gabriel und Michaela, für alle Freundinnen und Freunde, für gute Nachbarn und Menschen, die unvermutet in unser Leben treten mit dem wunderbaren Botenwort: „Keine Angst!“
Abendgebet von Adelheid Wette
Abends, wenn ich schlafen geh
vierzehn Englein um mich steh’n
Zwei zu meinen Häupten,
Zwei zu meinen Füßen,
Zwei zu meiner Rechten,
Zwei zu meiner Linken,
Zweie, die mich decken,
Zweie, die mich wecken,
Zweie, die mich weisen
zu Himmels Paradeisen.
Anmerkung: Adelheid Wette (1858 – 1916) war eine deutsche Schriftstellerin und Librettistin. Sie schrieb u. a. das Libretto für die von ihrem Bruder Engelbert Humperdinck komponierte Märchenoper „Hänsel und Gretel“ – aus dem obiges Gedicht stammt.
Pastorin Frauke Eiben
