„Uff, das war ja ein Wochenende! Und die Wochen davor waren auch ganz schön heftig!“ – Ich kann mir gut vorstellen, dass diese Sätze in den letzten beiden Tagen oft gesagt wurden. Der große ökumenische Weihnachtsbasar an der Deutschen Schule war mit viel Liebe und Zeit vorbereitet worden. Menschen kamen zusammen, besuchten die schön gestalteten Stände, kauften, aßen, tranken, feierten eine ökumenische Andacht. Und sie freuten sich, andere zu treffen, die man lange nicht gesehen hatte.
Was für ein schöner Start in die Adventszeit!
In der Kirchengemeinde im norddeutschen Henstedt-Ulzburg fand 2 Wochen vorher ein Gesprächsabend statt. Es ging um die Frage, wie wir angesichts von manchen dunklen Entwicklungen in unserer Welt vertrauensvoll in die Zukunft blicken können.
Diese beiden Aktionen – Basar und Gespräche über eine gute Zukunft -, verbanden sich für mich, weil der Athener Basar für gelebte Zukunftshoffnung steht. 3 Beispiele seien dazu genannt:
Die ökumenische Andacht erinnerte daran, dass wir in allem von Gott getragen sind. Jetzt und in Ewigkeit. Mit all unserer Kraft und mit all unserer Schwäche. Im Glauben und Zweifeln. Gustav Heinemann, der spätere Bundespräsident, sagte auf dem Kirchentag 1950, also 5 Jahre nach dem Ende des Krieges: „Lasst uns der Welt antworten, wenn sie uns furchtsam machen will: Eure Herren gehen – unser Herr aber kommt!“ Wie gut, sich daran zu erinnern!
Eine lebendige Gemeinschaft mit verlässlichen Menschen ist die andere Erfahrung des Basars, um in den Herausforderungen unserer Zeit zu bestehen. Wir sind nicht allein! Auch wenn wir uns manchmal über andere ärgern – wie gut ist es zu spüren, dass wir eingebunden sind in einen Kreis von Menschen, die sich für unsere Welt einsetzen und die uns einfach guttun.
Und die Musik spielt eine wichtige Rolle. Ich erinnere mich an das gemeinsame Singen auf dem Basar, an dem wir vor 3 Jahren teilnahmen. Welch ein Reichtum findet sich da in der Athener Gemeinde. In allen Kirchen werden in diesen Tagen vertraute Adventslieder gesungen. „Macht hoch die Tür …“ und „Tochter Zion“. Im Dortmunder Westfalenstadium trafen sich letzte Woche 70.000 Menschen zu einem adventlichen Singen. In Estland kommen in jedem Jahr zu einem Sängerfest 30.000 Menschen zusammen. Seit seiner Premiere 1869 sind diese Feste ein Symbol der kulturellen Selbstbehauptung gerade auch in Zeiten der Fremdherrschaft. „Singt dem Herrn ein neues Lied!“. Dieser Satz aus den Psalmen erinnert an die Kraft, die aus dem gemeinsamen Singen erwächst.
So ist der Basar in Athen eine wunderbare Veranstaltung, die Kraft gibt in unseren herausfordernden Zeiten. Er macht es hell, wo wir manchmal unter der Dunkelheit leiden. Wie gut, dass sich so viele dafür engagieren.
In den Herrnhuter Losungen fand sich gestern ein Gebet der schottischen Iona-Gemeinschaft, der der adventlichen Hoffnung Worte gibt:
„Gott, du kennst uns besser, als wir uns selbst kennen – du weißt, wer ich bin und was ich tue. Hilf mir in dieser Zeit der Vorbereitung im Advent einen Frühjahrsputz in meinem Leben zu machen. Hilf mir, meine Beziehungen zu vertiefen und zu festigen: zu dir, zu anderen, zu mir selbst. Nimm mich bei der Hand und leite mich auf der Reise.“
In diesem Sinne: Genießen wir gesegnete und stärkende Tage auf unserer Reise durch die Adventszeit!
Pastor Kurt Riecke
