Licht
Das Gespräch liegt eine Weile zurück. Wie immer wieder kommen Menschen in die Gemeinde, die mit ihr eine persönliche Geschichte verbinden. Bei einem Aufenthalt in Athen schauen sie vorbei. Und dann wird erzählt. Erinnerungen werden ausgetauscht, an Menschen erinnert. Und ein Gang in die Kirche darf nicht fehlen.
In diesen Monaten ist es natürlich besonders interessant, auf das renovierte und neu gefasste große Kirchenfenster zu schauen. Immer wieder gibt es dann diesen Moment der Stille, des Verweilens. Besonders schön ist es, wenn die Morgensonne darauf fällt.
„Wie ist es denn abends, wenn es dunkel wird?“ fragte ein Besucher aus Deutschland, der mit der Gemeinde seit Jahrzehnten verbunden und ein aktiver Förderer geblieben ist. Auch er wollte einmal wieder die Kirche aufsuchen.
In der Dunkelheit leuchtete bisher kein Fenster, das Licht des Innenraums vermag nur Schattierungen am Fenster hervorzubringen. Allein ein starkes Licht von außen könnte Abhilfe schaffen.
Das war ein Gedanke! Das große Altarfenster, bei den Abendkonzerten, den Gottesdiensten, ja, schon zu Heiligabend in diesem Jahr leuchtend, mit seiner Botschaft vom Wirken Gottes in der Geschichte Jesu!
Es war ein langer Weg. Eine Firma konnte gefunden werden. Etliche Leuchtproben wurden abgenommen, Alternativen gesucht. Das riesige Fenster brauchte spezielle Scheinwerfer und kraftvolles Licht. Zwischendurch kam Zweifel auf, ob es überhaupt machbar sein könnte, ein solches große Fenster von außen zu beleuchten.
Vor wenigen Tagen war ich zum ersten Mal abends in der Kirche, das Abendkonzert am 1. Advent. Die Kirche war auf den letzten Platz gefüllt. Wunderbare Flötenmusik, von der Orgel begleitet, erklang.
Das Oberlicht wurde abgesenkt, und das Kirchenfenster vor unseren Augen erstrahlte im hellen Licht, gab unentdeckte Farben frei, ließ den Blick beim Hören über die Stationen gleiten, bei den Szenen verweilen und so biblische Geschichte auf wunderbare Weise erleben. Handys wurden gezückt, manche ließen ihre Kamera Bild für Bild entlangstreifen.
Es wird jetzt manche Gelegenheit geben, die Kirche in dieser Weise zu erleben, besonders in der Advents- und Weihnachtszeit, um sich anrühren zu lassen von der Geschichte Gottes mit den Menschen. Sie will erzählt werden, in leuchtenden Farben, im Klang der Musik, im Gebet und Segen. Danke, Gott, für diesen Ort.
Pfarrer Martin Bergau
