Auf dem Grundstück nebenan, eine Wiese, lebt ein Hund. Ein Nachbar kümmert sich um ihn, er hat einen Unterschlupf und ist, nun ja, an einer sehr langen Leine. Als es vor mehreren Wochen so stark geregnet hat, ist die Wiese mehr oder weniger zu einem See geworden, und bald wusste der Hund nicht mehr, wohin er sich noch legen konnte, versuchte es immer wieder, aber es war schwierig. Eines Tages sah ich ihn nicht mehr und befürchtete schon das Schlimmste, ich suchte ihn, fand ihn aber nicht, woraufhin mir der Nachbar erklärte, dass er im Unterschlupf sei, wo er sicher ist.
Schon seit vielen Tagen scheint wieder die Sonne, wir haben wunderbares griechisches Dezemberwetter, das Wasser nebenan ist verschwunden, und heute sehe ich den Hund auf dem Rücken liegend, der Sonne mit großer Hingabe entgegengestreckt, er genießt es ganz offensichtlich.
Ein kleines Ereignis inmitten der nicht abreißenden erschreckenden Nachrichten, die verunsichern und hilflos machen. Es stimmt mich froh.
Schließlich sind wir im Advent, kurz vor Weihnachten, aber natürlich auch mit der typischen nicht abreißenden Geschäftigkeit.
Kurt Tucholsky sieht es in der letzten Strophe seines Gedichtes „Großstadt-Weihnachten“ (25.12.1913) so:
So trifft denn nun auf eitel Glück hienieden
in dieser Residenz Christkindleins Flug?
Mein Gott, sie mimen eben Weihnachtsfrieden …
„Wir spielen alle. Wer es weiß, ist klug.“
Und so zitiere ich gerne wieder einmal den Theologen Fulbert Steffensky:
„Aber das Fest ist wichtig, sonst würde es nicht einmal zur Ironie taugen. Solange Christinnen und Christen wissen, was sie an Weihnachten feiern; solange sie die Klarheit der Botschaft bewahren, so lange können sie die Schätze ihrer Lieder und Bräuche ausleihen an den kapellenlosen Alltag einer säkularisierten Gesellschaft.“ (Schutt und Asche, 2023, S. 238)
In der Kultursendung „Aspekte“ (ZDF) vom 12.12.2025 mit dem Titel „Mehr Hoffnung, bitte! Was uns in Krisenzeiten Zuversicht gibt“, berichtet der Autor Jo Schück von einigen Menschen in Deutschland, die ihren Glauben an Veränderung nicht verloren haben und die Zuversicht leben.
Ein Beispiel ist der Roman „La bella vita“ von Sybille Berg. Hier beschreibt die Autorin eine gütige, friedliche und lebenswerte Welt, und sie sagt, es sei eines ihrer schwierigsten Bücher gewesen, weil es viel leichter ist, alles zu kritisieren.
Ein anderes Beispiel ist „das heilende Museum“ in Berlin, ein Zusammenschluss des Bode-Museums und der Charité. Man hatte herausgefunden, dass es sich positiv auf Patienten und Patientinnen auswirkt, wenn sie sich viel Zeit im Museum aufhalten. In Belgien und in der Schweiz übernehmen sogar Krankenkassen die Kosten der Museumsbesuche und in der Schweiz bald auch für Theaterabende.
Und es gibt weitere interessante, hoffnungsvolle Beispiele – natürlich auch mit einem Kirchenvertreter, – Bischof Marx.
Genau – wir sind es doch mit den Schätzen unserer Lieder und Bräuche jetzt zu Weihnachten und überhaupt, die wir in dieser Welt trotz allem den Hoffnungsfunken in uns und nach außen tragen.
Hierzu die Geschichte von Lothar Zenetti:
„Manchmal, in seltenen Stunden, spürst du auf einmal nahe dem Herzen, am Schulterblatt schmerzlich die Stelle, an der uns, wie man erzählt, vor Zeiten ein Flügel bestimmt war, den wir verloren. Manchmal regt sich dann etwas in dir, ein Verlangen, wie soll ich´s erklären, ein unwiderstehliches Streben, leichter und freier zu leben und dich zu erheben und hoch über allem zu schweben. Manchmal, nur einen Augenblick lang – dann ist es vorbei – erkennst du dein wahres Gesicht, du ahnst, wer du sein könntest und solltest. Dann ist es vorbei. Und du bist, wie du bist. Du tust, was zu tun ist. Und du vergisst.“ (Lothar Zenetti, Auf seiner Spur, Ostfildern 2011, S. 82)
Pastorin Iris Kaufmann
