Gott geht in die Knie
In meinem Weihnachtsordner befindet sich eine Karte, die auf den ersten Blick nicht so richtig da hinein passt und die ich seit 2006 besonders hüte. Es ist eine Autogrammkarte von Jürgen Klinsmann. Ein Junge im Fußballdress ist darauf zu sehen, acht oder zehn Jahre alt vielleicht, vor ihm kniet der damalige Bundestrainer und bindet ihm den Schuh. Nicht der super tolle Fußballer steht im Vordergrund, sondern einer, der vor einem Kind in die Knie geht. Ich bin kein großer Fußballfan, aber diese Karte hat mich angerührt. Da macht sich jemand klein für ein Kind, das ist eine Haltung, die zur Weihnachtsbotschaft passt.
Weihnachten erzählt davon, dass Gott Mensch wird, ein kleines Kind, in Bethlehem geboren. Gott macht sich klein für uns. So wie ein Vater, der, wenn er mit seinem Kind spielt oder es tröstet, nicht in voller Größe vor ihm stehen bleibt. Er geht in die Knie, er begibt sich in die Lage des Kindes, ist Auge in Auge mit ihm und nimmt seinen Horizont ein. Er vergisst seine Sprache und spricht Worte, die das Kind schon versteht, selbst wenn er sich damit etwas lächerlich macht. Größe und Überlegenheit können nicht die gleiche Sicherheit bringen wie diese zärtliche Geste. Denn Liebe und Trost, kann man nur auf Augenhöhe weitergeben. Gott wird Mensch, geht vor uns in die Knie, er erlebt unser Leben aus unserer Perspektive, er spricht unsere Sprache, er begegnet uns auf Augenhöhe. Das ist die Botschaft der Weihnacht.
Machen wir es wie Gott: werden wir Mensch und begegnen dem Nächsten mit Respekt und Vertrauen. Frohe Weihnachten!
Pastorin Frauke Eiben, *) Idee und Textteile ausgeliehen bei Fulbert Steffensky
