Epiphanias
Am Morgen des 6. Januar läuten die Glocken gefühlt von überall. Schon früh höre ich aus unterschiedlichen Richtungen Gesang. Die orthodoxen Geschwister feiern Epiphanias und die biblische Geschichte, die dazu gehört, ist Jesu Taufe durch Johannes im Jordan.
Die Weihnachtszeit mit der Geburtsgeschichte Jesu ist damit beendet – bei der Taufe ist Jesus erwachsen. Und es wird öffentlich, dass Jesus nicht allein das Kind von Maria und Josef ist, sondern Gottes Sohn.
Epiphanie – es wird sichtbar – es ist nicht verborgen, alle können es sehen und hören:
„Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe.“ So ist Gottes Stimme aus dem Himmel zu hören.
Der Gesang lockt mich auf den Berg – den Lykabettos. Eine kleine Gemeinde hat sich vor dem Kirchlein versammelt. Alle stehen um einen großen Kupferkessel, der mit Wasser gefüllt ist und feiern die Liturgie. Als Höhepunkt hebt der Priester ein geschmücktes Kreuz, ich denke es ist mit Basilikum umwickelt, und taucht es dreimal ins Wasser. Er segnet das Wasser mit dem Kreuz.
Nach dem Gebet füllen sich fast alle gesegnetes Wasser in mitgebrachten Flaschen ab. Segen für später. Mich hat dieser Berggottesdienst am Morgen des 6. Januar in seiner schlichten Schönheit beeindruckt.
Später habe ich es verfolgt, an wie vielen Orten in Griechenland am 6. Januar eine Wassersegnung stattfand. Überall, wo Wasser fließt und ein Kirchlein steht, wird der Ritus vollzogen. In Piräus, Rafina, in Thessaloniki und an vielen anderen Orten verbunden mit einem großen Fest. Mit Prozession und Gesang, mit Blaskapellen und mutigen jungen Männern, die sich, nachdem der Priester das Kreuz ins Wasser geworfen hat, hineinstürzen, um es zu bergen. Ein Glückspilz, dem es gelingt.
Viele Menschen haben zugesehen – waren beteiligt – und ich glaube, selbst wenn sie nicht religiös sind, werden sie erlebt haben: hier geschieht etwas Heiliges. Das Wasser, unser Glaube und unser Leben gehören zusammen. Den Segen Gottes sowie die Wertschätzung und Achtsamkeit braucht das Wasser und brauchen wir Menschen.
Seit Jahren gibt es diesen Wassersegen auch im Norden Deutschlands, im Hamburger Hafen. Rund um den Epiphaniastag segnet ein orthodoxer Bischof das Wasser von Hafen und Elbe, in dem er ein Kreuz ins Wasser taucht. Eingeladen sind zu diesem Segen viele ökumenische Geschwister – z.B. unsere Bischöfin Kirsten Fehrs. (hier wird allerdings auf den Brauch verzichtet, dass Männer ins kalte Hafenbecken springen – das ist bei den Temperaturen durchaus barmherzig.)
Das Wasser braucht den Segen und die Aufmerksamkeit, denn es ist gefährdet wie wir. Durch Verschmutzung mit Öl und Müll und Abwasser. Es ist eingeengt oder ausgebaggert, wie wir es gerade brauchen, und das hat immer wieder verheerende Auswirkungen mit Überschwemmungen, in denen Tiere und Menschen ums Leben kommen.
Das Wasser achten, weil es gesegnet ist, das ist uns am Anfang des Jahres aufgetragen. Franz von Assisi sagt: gelobt bist du, Gott, für unsere Schwester, das Wasser.
Pastorin Frauke Eiben
