Der Weihnachtsbaum in der Christuskirche ist abgeschmückt, Kugeln und Sterne sind wieder gut verstaut, die Lichterketten sind sorgsam zusammengelegt – nur der Herrenhuterstern leuchtet noch bis zum Ende des Epiphaniaszeit. Bis zum 2. Februar.
Plötzlich wirkt der Kirchraum groß und irgendwie heller – auch etwas nüchtern und klarer.
Vielleicht geht es Ihnen in Ihrer Wohnung genauso. Wenn die Weihnachtsdekoration verstaut ist, die uns in den vergangenen Wochen so lieb war, dann haben wir mehr Luft und Licht um uns. Ich finde diese neue Nüchternheit in meiner Wohnung und in unserer Kirche angenehm. Die ersten Wochen des Jahres sind schon vergangen, der Alltag ist eingekehrt und das ist nach einer besonderen Festzeit auch etwas Schönes.
Nach Glanz und Lametta schauen wir nun nüchtern in unser Jahr und auf das, was kommen wird.
Manches gibt Anlass zur Sorge, wie wird es mit der Menschheitsfamilie weitergehen? An manchen Tagen reibe ich mir die Augen, wenn ich Nachrichten lese oder höre, wie gefährdet der Frieden und das Zusammenleben der Menschheit gerade ist.
Nüchtern können wir auch auf unsere Kirche schauen – neben all dem, was uns Heimat ist, bröckelt es hier und da etwas an der Fassade (nicht nur im übertragenen Sinn). Ich finde es gut, Ende Januar mit klarem Blick nach vorne zu schauen.
Wenn in der Bibel von Nüchternheit die Rede ist, dann geht es nicht um Alkoholverzicht, sondern um die Klarheit unseres Denkens, ein gesundes Urteilsvermögen, Wachsamkeit und Selbstreflektion. Sich nicht einspinnen lassen von trügerischen Versprechen oder Lügen, sich nicht Unzumutbares vornehmen, sondern das, was möglich ist.
Nüchtern sein – das heißt aufmerksam wahrnehmen, was zu tun ist, sich nicht zu verzetteln oder Träumen hinterher zu trauern.
Der Theologe Karl Barth hat den wunderbaren Satz geprägt: „Mit der Zeitung in der einen Hand und der Bibel in der anderen Hand“, können wir als Christen unsere Aufgaben bewältigen – Geerdet, nüchtern und gleichzeitig zuversichtlich. Damit kann ich leben!
Mir gefällt die Januar Klarheit. Es macht den Blick frei für alles, was kommt, füreinander und für unsere Aufgaben.
In einem Morgengebet heißt es:
Die Nacht ist vergangen
ein neuer Tag hat begonnen.
Lasst uns wachen und nüchtern sein
und abtun, was uns träge macht,
dass wir unseren Gott preisen mit unserem Leben.
Pastorin Frauke Eiben
