Segen für die Liebe
Zu den schönsten Erfahrungen als Pastorin gehört für mich, die offene Kirche am Valentinstag. Gemeinsam mit einem Pfarrteam und vielen Ehrenamtlichen haben wir vor einigen Jahren zum ersten Mal zu Spontantrauungen in den Lübecker Dom eingeladen. Der Dom war geschmückt mit Kerzen und Blumen und Herzen. Ein Organist war bereit, eine Hochzeitssängerin, die moderne Songs im Repertoire hatte, eine Fotografin, und natürlich hatten wir auch ein kleines Sekretariat für Trau- und Erinnerungsurkunden.
Es kamen viele. Junge Leute, Paare, die schon lange ihr Leben teilten, ein Paar mit ihrer kleinen Tochter, einige hatten viele Freundinnen und Freunde mitgebracht, andere kamen allein. Für jedes Paar gab es Zeit für ein kurzes Traugespräch und Zeit zwei Lieder auszuwählen – klassisch oder modern. Und dann ging es auch schon in die Kirche. Mich beglückt jedes Mal, welche Kraft im Segen liegt. Durchweg habe ich in strahlende Gesichter geschaut, Glückstränen waren dabei und ganz große Ernsthaftigkeit. Ein Mann – so um die 50 – ist mir in besonderer Erinnerung. „Ich mach das hier nur für meine Frau, sie hat sich das gewünscht. Und deshalb bin ich hier. Mir bedeutet es eigentlich nichts!“ Und dann am Altar, bei der Traufrage und dem Segen, kamen ihm die Tränen. Denn er hat gespürt, wie ernst ein Versprechen ist, wenn es vor Gott gemacht wird und wie viel Kraft ein altes Segenswort hat. „Die Basecap muss ich wohl abnehmen“, fragte einer, der nicht sooft eine Kirche betritt und ehrfürchtig einen Schritt über die Schwelle macht. Für die kleine Familie, mit dem Baby, gab es einen Familiensegen.
Segen teilen und weitergeben, ist die schönste Aufgabe – und dann mitzuerleben, wie viele Menschen wir glücklich gemacht haben, war besonders.
Der Valentinstag hat mir vorher nie viel bedeutet. Aber ich habe bei diesen Segnungen gemerkt, da gibt es ein ganz großes Bedürfnis, sich der Liebe zu vergewissern und dafür zu danken, dass es Menschen gibt, die das Leben mit uns teilen. Und es hat eben eine besondere Würde diesen Dank vor Gott auszusprechen und ein Geleitwort für den weiteren gemeinsamen Weg mitzunehmen.
Auf diese Weise habe ich den Valentinstag für mich entdeckt und den italienischen Heiligen Valentin kennengelernt, der gegen alle Widerstände Liebenden seinen Segen gegeben hat.
Am 15. Februar feiern wir in unserer Christuskirche um 17 Uhr einen Valentingstagsgottesdienst.
Natürlich geht es um die Liebe, die in jedem Lebensalter wichtig ist. Eine Trauung wird es an dem Abend nicht geben, aber ein Vergewissern, dass Gott die Liebe ist und uns die Gabe verliehen hat, Liebe zu geben und zu empfangen. Und einen Segen gibt es natürlich auch, für alle die es wünschen auch ganz persönlich. Ich freu mich drauf.
Gott ist Liebe; und wer in der Liebe bleibt, der bleibt in Gott und Gott in ihm. 1. Johannes 4,16
Pastorin Frauke Eiben
