Heute wird in vielen Ländern der Aschermittwoch gefeiert! Die närrischen Tage in Rio, Köln, Mainz oder Marne – die einzige Karnevals-Stadt in Schleswig-Holstein – sind vorbei und es beginnt die 7-wöchige Passionszeit. Die Orthodoxe Kirche begeht diesen Anlass am Καθαρά Δευτέρα, dem „Sauberen Montag“. Ich erinnere mich gut daran, wie ich vor drei Jahren miterlebte, dass die Familien im Grünen oder am Meer picknickten, leckere Fastenspeisen genossen und bunte Papierdrachen steigen ließen.
Nach der besinnlichen Weihnachtszeit und dem ausgiebigen Feiern gilt es nun das Leben zu bedenken, zur Besinnung zu kommen. Was ist wesentlich, was nicht? Was braucht mein Körper, meine Seele, mein Geist? Wo stehe ich mir selbst im Wege? Wo habe ich vergessen, was mir Gott mit seinen guten Geboten zugesagt hat? Wo brauche ich Vergebung? Um die Zuwendung Gottes erlebbar zu machen, bekamen die Menschen früher ein Aschekreuz auf die Stirn gezeichnet, das aus den verbrannten Palmzweigen des Vorjahres gewonnen und gesegnet worden war. Ein schönes Ritual, das den Glauben spürbar machte.
Seit 1983 gibt es für diese Zeit in den deutschen Kirchen die Aktion „7 Wochen ohne“. 7 Wochen ohne das, was uns im Übermaß nicht guttut. Damit verbindet sich die Einladung, die Passionszeit nicht nur als Einschränkung zu erleben. Sie soll zur Befreiung von schlechten Angewohnheiten einladen, in der das Leben aufgeräumt wird, um am Ende das Osterfest und das Leben fröhlich zu feiern.
So kann der Verzicht zum einen eine bewusste Auszeit bedeuten, die ich mir nehme, um von dem Stress des Alltags herunterzukommen und die Sinne zu schärfen. Und ich verstehe den Verzicht als einen Erfahrungsraum des Vertrauens. Gott wird mir neue Perspektiven eröffnen. Eingeschliffene Denkmuster, die nicht mehr tragen, können aufgegeben werden.
In diesem Jahr steht die Aktion unter dem Thema „7 Wochen ohne Härte“. Sie erinnert daran, im Blick auf unser Leben nachzudenken, wo wir hart geworden sind. Wie ist es dazu gekommen? Warum und wovor muss ich mich schützen? Oder kann ich es vielleicht doch wagen, meine weichen und zarten Seiten zu zeigen?
Diese Aktion zeigt, dass Verzicht kein Selbstzweck ist. Ich verzichte um eines positiven Zieles Willen. Verzicht ist dann etwas Produktives.
Was kann dieses positive Ziel für uns sein? Weniger Härte? Mehr Zuhören? Weniger Alkohol? Mehr Zeit für Menschen, die mich brauchen? Weniger Neid? Mehr liebevolle Zuwendung? Weniger Schokolade? Mehr Gebet und Meditation? Weniger Zeit in den sozialen Netzwerken?
Überfordern wir uns dabei nicht. Der Theologe Gotthart Fuchs empfiehlt: „Ich kann zum Beispiel sagen, ich nehme mir in dieser Woche oder in diesen 7 Wochen jeden Tag 5 Minuten Zeit. Ich fange klein an und tue nichts. Ich bin still und frage: Wie geht’s mir? Wie geht’s dir? Was ist los? Was kommt hoch, wenn es still wird?“ Vielleicht entdecke ich dabei, wo mir ein Verzicht guttun würde. Und dann setze ich es um – an jedem Tag ein wenig.
Gott hilft uns dabei. Denn er sagte schon im Ersten Testament: „Ich bin der Herr, dein Gott, ich habe dich aus der Knechtschaft befreit.“ (2.Mose 20,2) Entdecken wir also in den kommenden 7 Wochen diesen Weg der Befreiung neu.
Pastor Kurt Riecke
