Die Fastenzeit ist nun auch in Griechenland angebrochen. Am Montag war Kathara Devtera, der im ganzen Land mit Fastenspeisen und Drachensteigen und öffentlichen Festen begangen wird. Kurt Rieke hat im letzten Lesezeichen davon erzählt.
Ich hänge gerade noch dem Karnevalswochenende nach, das mit vielen Umzügen und ausgelassener Fröhlichkeit gefeiert wird. Auch hier in der kleinen Stadt.
Viel Fantasie, was die Kostüme angeht, viele verkleidete Eltern, die mit ihren Kindern im Karnevalszug mitlaufen.
Ich selbst, aus Ostwestfalen kommend, wo man zum Lachen in den Keller geht (so wird bösartig behauptet), war dieses Mal doch sehr angetan von dieser Fröhlichkeit. Trotz all der alltäglichen Sorgen und Ängste feiern sie – die einen im Karnevalsumzug mit rhythmischer Musik, die anderen am Rand stehend mit gezücktem Handy, wenn die Kinder, Freundinnen und Freunde vorbeiziehen.
Verrückte Kostüme, schöne Ideen, die erlauben, jemand ganz anders zu sein.
Das wünschen sich die Menschen doch hin und wieder – einmal jemand ganz anderes sein, unerkannt und verrückt, und so, wie die anderen es von uns nicht erwartet hätten.
Aus der täglichen Rolle hinaustreten.
Ein bisschen „verrückt“ sein. Das Wort verrückt ganz wörtlich: Ich bin nicht an meinem gewohnten Platz. Der Platz wurde „verrückt“. Ich bin jetzt woanders.
Und das tut gut.
Der Dichter aus dem Norden Theodor Storm drückt es so aus:
Narrenzeit
O wär im Februar doch auch
Wie´s andrer Orten ist der Brauch
Bei uns die Narrheit zünftig!
Denn wer, so lang das Jahr sich misst
Nicht einmal herzlich närrisch ist,
wie wäre der zu anderer Frist
Wohl jemals ganz vernünftig.
So scheint es im Alltag zu helfen, mal jemand ganz anderes zu sein.
Einmal nicht das machen, was alle von mir erwarten. Es nicht allen recht machen, was sowieso nicht geht:
Dazu die folgende Geschichte von Johann Peter Hebel
„Ein Mann reitet auf einem Esel nach Haus und lässt seinen Buben zu Fuß nebenher laufen. Kommt ein Wanderer und sagt: „Das ist nicht recht, dass ihr reitet und lasst euren Sohn laufen; Ihr habt stärkere Glieder.“ Da stieg der Vater vom Esel und ließ den Sohn reiten. Kommt wieder ein Wandersmann und sagt: „Das ist nicht recht Bursche, dass du reitest und lässt deinen Vater zu Fuß gehen. Du hast jüngere Beine.“ Da saßen beide auf und ritten eine Strecke. Kommt ein dritter Wandergeselle und sagt: „Was ist das für ein Unverstand, zwei Kerle auf einem schwachen Tier? Sollte man nicht einen Stock nehmen und beide hinabjagen?“ Da stiegen beide ab und gingen selbdritt zu Fuß mit dem Esel in der Mitte. Kommt ein vierter Wanderer und sagt: „Ihr seid drei kuriose Gesellen. Ist’s nicht genug, wenn zwei zu Fuß gehen? Geht’s nicht leichter, wenn einer von euch reitet?“
Da band der Vater dem Esel die vorderen Beine zusammen, der Sohn die hinteren, sie zogen einen starken Baumpfahl durch und trugen den Esel auf der Achsel heim.
So kann es kommen, wenn man es allen Leuten will recht machen.“
Also: dann lieber einmal das Kostüm anziehen, und ganz unmöglich sein, ganz anders als es erwartet würde!
Ich finde, da passt, was Martin Luther zum Glauben sagt:
„Glaube heißt, dass einer durch ein unmöglich Ding hindurchbrechen soll. Er geht hinein ins Meer, als wenn kein Wasser da wäre, in den Tod, als wenn kein Tod da wäre, und fällt Christus um den Hals, als wenn es niemals eine Sünde gegeben hätte.“
Unmögliches wagen – Christus um den Hals fallen (was für ein schönes Bild!) – das nimmt der Realität ihre Bedrohlichkeit!
Pfarrerin Iris Kaufmann
