Quasimodogeniti – wie neu geboren. Wie die neu geborenen Kinder.
So heißt der Sonntag nach Ostern.
Ein Sonntag, der uns an unsere Taufe erinnert.
Erfrischt, beglückt, lebendig. Wie neu geboren.
Wie neu geboren: nach einem langen Arbeitstag schnell unter die Dusche. Warmes Wasser läuft über Kopf und Rücken. Alle Gedanken, die im Kopf kreisen, der Alltagsschmutz. Weg damit. Der Ärger, die Anspannung, all das wird mit Wasser und Seife abgespült. Sanft und gründlich. Danach abgetrocknet, gecremt, gefönt. Wie neu geboren.
Schon am Abend weiß ich, kein Wecker wird mich aus den Träumen reißen, ich kann ausschlafen. Nichts, was ich am nächsten Tag muss. Ich kann mich einfach dem Schlaf hingeben. Versinke tief und lege im Dunkel der Nacht alles ab, was mich beschwert. Am Morgen wache ich auf, hellwach und frisch, ausgeschlafen, ein neuer Mensch. Wie neu geboren.
Die Kur, der Spaziergang durch die Frühlingsnatur, ein Konzert, gesungen oder gehört. Die Lebensgeister spüren. Neu geboren. Das ist das Lebensgefühl, das der 1. Sonntag nach Ostern in uns wecken will. Wie die neugeborenen Kinder: Unschuldig, neu, frisch, sauber, voller Leben und Entwicklungsmöglichkeiten, so sind wir, wenn wir von Ostern, von unserer Taufe her denken.
Die Farbe dieses Sonntags ist weiß. Weiß wie die Unschuld und die Reinheit. Die Farbe, in der alle Farben enthalten sind, die Farbe, die zu Christus gehört. Neu und sauber.
Wie die neugeborenen Kinder.
Das Ostergefühl, die Osterfreude mit in unser Leben nehmen und uns daran erinnern, dass wir durch die Taufe mit Christus verbunden sind.
Mit ihm auferstehen. Nicht erst am Ende des Lebens, sondern auch jetzt. Neu werden,
Schweres hinter uns lassen. Begraben und abschütteln, was das Leben schwer macht und als neuer Mensch auferstehen.
Es ist gut sich daran zu erinnern.
Du bist getauft.
Und sich erfrischen lassen von dem Gedanken, im Taufwasser kann all das abgewaschen werden, was uns von Gott trennt. Nicht nur einmal. Sondern immer wieder.
Müdigkeit, Trägheit und Angst.
Abtun, was uns beschwert, ängstigt und träge macht.
Durch Christus und die Taufe sind wir Ostermenschen.
„wisst ihr nicht“ Gedicht von Wilhelm Willms
wisst ihr nicht dass ihr bei eurer taufe mit hineingezogen seid in den tod christi
bei der taufe seid ihr begraben worden
das heißt der alte mensch ist begraben worden
der alte mensch
der unter dem zwang der bosheit steht
unter dem gesetz des egoismus
des neides
des ehrgeizes
der geltungssucht
der üblen nachrede
wisst ihr nicht dass dies alles begraben sein soll mit der taufe
und dass mit eurer taufe der neue mensch auferstanden ist in euch
der mensch
der das gute wort auf der zunge hat
der sich freut wenn es dem andern gut gelingt das leben
der nicht neidisch ist
der neue mensch soll in euch auferstehen
denn der alte mensch soll begraben sein
der mensch der unfrieden stiftet
der alte mensch der geschwätzigkeit
wenn ihr wirklich bei der taufe mit christus gestorben seid
– was den alten menschen betrifft –
dann werdet ihr auch mit christus auferstehen in freude
der neue mensch wird in euch auferstehen
und die herrlichkeit
der glanz des lebens
der glanz gottes
der da ist friede
freude
freiheit
heiterkeit
menschenfreundlichkeit
dieser glanz wird an euch sichtbar
dies alles ist der geist gottes mit dem ihr gesalbt seid
Quasi wie die neu geborenen Kinder. So sind wir nach Ostern.
Erfrischt, gewaschen, wie neu.
Außen nur ein bisschen Wasser, aber innen
ein Glaube, der trägt, dem wir etwas zutrauen dürfen.
Erinnern wir uns: wir sind getauft.
Pastorin Frauke Eiben
