Es kommt eine Zeit,
da werden wir viel zu lachen haben
und Gott wenig zu weinen.
Die Engel spielen Klarinette
und die Frösche quaken die halbe Nacht.
Und weil wir nicht wissen;
wann sie beginnt,
helfen wir jetzt schon
allen Engeln und Fröschen
beim Lob Gottes (Dorothee Sölle, aus „Zeitansage“)
Liebe Leserin, lieber Leser,
am 3. Mai feiern wir in diesem Jahr den Sonntag Kantate. In dieser nachösterlichen Zeit werden wir aufgefordert zu singen. Kantate! Singt! Und das hat seinen Grund:
Singen gehört unverzichtbar zu unserer evangelischen Frömmigkeit. Singen stiftet Gemeinschaft. Singen tut gut, bringt den Körper durch das Ein- und Ausatmen in eine gute Balance, Singen vertreibt die Angst, Singen verdoppelt die Freude, Singen ist ein Ausdruck für unsere Gefühle.
„Wer singt, betet doppelt“, hat der Kirchenvater Augustin gesagt.
Und die Hirnforschung bestätigt dies. Während gesprochene Worte vorwiegend den Neocortex zu interpretierendem Denken motivieren, und somit die kognitive Intelligenz beschäftigen, erreicht die Welt der Klänge und Töne das limbische System, also die emotionale Intelligenz. Sie sorgt für eine innere Resonanz, löst Probleme auf, vor denen der Intellekt, auf sich allein gestellt, kapituliert. Bei Grübelattacken ist Musik oft die beste und oft einzige Medizin. Da fällt einem plötzlich ein altes Lied ein oder im Radio erklingt zufällig eine Melodie – und schon ist die Traurigkeit wie weg.
Singen stärkt den Glauben und manche Worte, die zum Aussprechen viel zu groß sind, kommen gesungen leichter über die Lippen.
Es sind nicht nur die biblischen Geschichten, die Menschen trösten, stärken, zum Nachdenken anregen und zum Glauben führen. Es sind auch die Lieder, die uns helfen zu vertrauen, zu glauben, unseren Glauben weiterzugeben, zu hoffen und zu lieben. Oft gehören zu einem bestimmten Lebensabschnitt Lieder oder Melodien, die uns geholfen haben zu wachsen, eine Krise zu überstehen oder ein Glück zu teilen. Wenn ich an meine gesungene Glaubensbiografie denke, gehören zum Beispiel folgende Lieder dazu:
„Weißt du, wie viel Sternlein stehen“, vor dem Einschlafen mit der Mutter oder Großmutter gesungen.
„Ach bleib mit deiner Gnade“, haben wir im Konfirmandenunterricht auswendig gelernt. Seitdem hat es einen Platz in meinem Kopf und in meinem Herzen.
Kirchentagslieder wirkten lange wie ein Ohrwurm: „Der Himmel geht über allen auf“, „Herr, deine Liebe ist wie Gras und Ufer“ …aber auch die Mundorgellieder, die Beatles und Reinhard Mey haben mich begleitet.
Für mich ist die Einteilung in klassische Musik und Popmusik nicht wichtig. Vielmehr geht es darum, dass eine Melodie mein Herz erreicht.
Wer singt, betet doppelt.
Gott sei Dank haben wir die Musik, die unserem Leben Freude, Licht und Wärme schenkt und uns eine Ausdrucksmöglichkeit gibt für vieles, was uns bewegt.
In der Woche des Sonntags Kantate können wir allen danken, die musizierend die Welt verändern, die mit Jungen, Alten, Erwachsenen und Kindern singen und ihnen so eine Tür öffnen. Hier in Athen, in unserer Gemeinde, danken wir Christos Paraskevopoulos für wunderbare Orgelmusik, die Singgruppe und die vielen Abendmusiken, die stimmungsvoll den Sonntag beschließen.
Vielleicht achten Sie in dieser Woche einmal auf die Lieder und die Musik, die Ihnen Schwung und Zuversicht schenken.
Die Musik ist eine Gabe Gottes.
Pastorin Frauke Eiben
