Pfingstliche Gedanken
Pfingsten feiern wir den Geburtstag der Kirche. Gut, dass wir hier in Griechenland zweimal daran erinnert werden. In unserer Christuskirche haben wir vor zwei Wochen Pfingsten gefeiert, in der orthodoxen Kirche am letzten Maiwochenende.
Hätte damals in Jerusalem die Heilige Geistkraft den Jüngern nicht Mut gemacht, von Jesus zu erzählen – der christliche Glaube hätte uns in Europa nicht erreicht. Überall auf der Welt gibt es heute Christen. Und das Besondere ist, dass wir alle an ein Evangelium glauben, aber unterschiedlich ausdrücken, was uns wichtig ist.
Voneinander lernen und miteinander verbunden sein, das steckt hinter der Ökumene, der Weltgemeinschaft der Christenheit.
Wie gut, dass wir voneinander lernen und miteinander nachdenken. Von den katholischen Geschwistern habe ich viel über Symbole und Rituale gelernt, über Kerzen und Salböl, von den Mennoniten über das konsequente Friedensgebot, von den Baptisten den musikalischen Schwung, von den orthodoxen Geschwistern über die Kraft der Liturgie und aus der Begegnung mit Christen aus andren Ländern manchen Gedankenanstoß.
Einer der Menschen, die mich sehr beeindruckt und ermutigt haben, ist Dr. Philip Potter, der Ehemann meiner damaligen „Chefin“ Bischöfin Bärbel Wartenberg-Potter. Er war ein methodistischer Pastor und der dritte Generalsekretär des Weltkirchenrates. 1921 wurde er auf der Insel Domenica in der Karibik geboren. Seine Mutter war alleinerziehend, in seinem Familienstammbaum waren afrikanische Wurzeln und irische Adlige.
Philip Potter hat in seiner Zeit als Generalsekretär große Kirchenpolitik gemacht. Er hat kluge Reden geschrieben und gehalten, hat sich gegen Rassismus und für die Emanzipation der Frauen eingesetzt, für ein Kirchenbild, das sich „auf die lebendigen Steine“ des Petrusbriefes beruft.
Er hat mit wichtigen VIPs debattiert, der Königin von England, dem Papst, Mao, dem Dalai Lama und vielen anderen.
Ich habe ihn kennengelernt, als er schon 80 Jahre alt war, und mich hat vom ersten Tag beeindruckt, was für ein bescheidener, höflicher, zuvorkommender und kluger Mensch er war.
Und mich hat sein Humor beeindruckt, der sich vor allem darin zeigte, dass Philip Potter in schwierigen Situationen immer einen Spruch parat hatte. Ich erinnere viele und sie retten mich noch heute:
Zum Beispiel:
God needs all kind of people – Gott braucht alle Menschen. Das hilft und ist tröstlich, wenn es nicht gelingt, zu allen einen guten Draht zu halten.
Wer seinen Hund liebt, muss auch seine Flöhe mögen und
der Hahn ist nicht verpflichtet, für das ganze Dorf zu krähen. Das kann zum Schmunzeln bringen, wenn es gerade stockt und man nicht alle unter einen Hut bekommt.
You can´t plan for life. Du kannst nicht das ganze Leben planen. Es kommt oft anders – ist eine schlichte Wahrheit, die mit einem Seufzen gesprochen werden kann, wenn gerade ein Plan nicht aufgegangen ist.
Und wenn es einen schwierigen Termin gab, und man mit ein bisschen Herzklopfen losging, war sein Wort: Wenn du in die Höhle des Löwen gehst, vergiss nicht, dass du auch ein Löwe bist.
Hinter diesen humorvollen Sätzen steckt eine tiefe Frömmigkeit, die davon ausgeht, dass Gott uns hält, dass wir nicht alles so schwer nehmen müssen, weil die Rettung der Welt nicht von uns abhängt. Wir dürfen das Unsere tun und Gott das Seine überlassen.
Und dann gibt es noch den wunderbaren Satz: um in der Kirche zu arbeiten, braucht man Humor und ein paar lockere Schrauben. „Sense of humor and some screws loose“. Na klar, wenn alles festgeschraubt ist, kann der Heilige Geist nichts Neues bewegen.
So wünsche ich uns allen pfingstlichen Schwung für unseren Glauben und für unser Leben.
Pastorin Frauke Eiben
