„Es regnet und ich freue mich. Denn wenn ich mich nicht freue, regnet es trotzdem.“ Das stand auf einer Postkarte an der Pinnwand einer Schulleiterin der Berufsschule im sozialen Brennpunkt Kiel-Mettenhof. Der Text überraschte an diesem Ort. Zum einen, weil er daran erinnerte, dass ich meine aktuelle Befindlichkeit nicht von den äußeren Umständen abhängig mache. Zum anderen, weil diese Schulleiterin eine positiv anpackende Ausstrahlung hatte, die die Aussage dieser Karte trotz all der beruflichen Belastungen bestätigte.
In eine ähnliche Richtung ging der Satz „Wer mich ärgert, bestimme immer noch ich!“. Ich fand ihn in dem Buch über Coaching, das 50 Sätze beschrieb, die das Leben leichter machen.
Beide Texte sind von der Überlegung geprägt, dass ich mein Leben steuere. Ich bin nicht ausgeliefert. Ich mache meine Freude nicht von äußeren Umständen abhängig, die ich sowieso nicht ändern kann. Ich bestimme darüber, wer Einfluss auf mein Leben nimmt.
Aber geht das so leicht? Unsere Gefühle haben schließlich ihre Geschichte und Gründe. Ich kann und will sie nicht einfach abschalten. Ich nehme sie wahr, damit ich meine Verletzungspunkte – modern gesagt meine Trigger-Punkte – nicht aus dem Blick verliere. Oft sind sie der Weg zur erhofften Lösung.
Trotzdem – die beiden Texte ermutigen, sich nicht schmollend zurückzuziehen, sondern aktiv zu werden. Wie will ich mit dieser Situation umgehen? Was kann ich tun? Welche Hilfe suche ich mir? Dabei kann eine vertrauensvoll beratende Person helfen.
Aber auch unsere christliche Tradition bietet viele Hilfen.
Da ist zum einen das Gebet. In der Morgenandacht unserer lokalen Zeitung stand dazu kurz, knapp und hilfreich:
– Mach’s Dir nicht zu kompliziert, ein ehrlicher Moment reicht.
– Sag, was Sache ist.
– Bitte konkret, Floskeln brauchst du nicht.
– Vergiss das Danke nicht.
– Erwarte keinen Blitz vom Himmel, eher Frieden im Herzen.
– Wiederholen erlaubt. Gebet ist kein Einmalprojekt. Eher wie Zähneputzen fürs Herz: regelmäßig sinnvoll, auch wenn du nicht jedes Mal spektakuläre Ergebnisse siehst.
Das klingt doch einladend. So können wir die Fragen angehen, die sich uns und der Welt stellen – mit einem ‚gelassenen Engagement‘, wie es der frühere Landesbischof Christoph Meyns nennt. Wir bleiben engagiert, erhalten uns aber die Gelassenheit, die aus unserem Glauben erwächst und uns nicht überfordert. Gott ist es ja, der die ganze Welt in seiner Hand hält.
In seinem Lebensrückblick hat auch der ostdeutsche Theologe Friedrich Schorlemmer mit einfachen Worten zu dieser gelassen-engagierten Grundhaltung des Lebens eingeladen. Sie können zu einem guten Motto für jeden Tag werden:
„Jeden Tag geht dir die Sonne auf, jeden Abend geht eine Welt dir unter. Jeder Morgen ist Schöpfungsmorgen. Bleib fromm. Werd frei. Leb fröhlich. Lies täglich. Bet inniglich.“
So kann es klappen mit der Freude – selbst wenn es regnet.
Pastor Kurt Riecke
