Es ist Sommerzeit
Wenn in diesen Wochen kein Gottesdienst in der Kirche stattfindet, schicken wir Ihnen einen Sommerimpuls. Dieser erreicht Sie zu jedem Sonntagmorgen als ein Gruß aus der Gemeinde. Der Impuls ist individuell gestaltet, verbunden mit einem biblischen Wort, Gebet, einem Bild und persönlichen Gedanken dazu. Vorbereitet wird er von einer Gruppe aus der Gemeinde und in Absprache mit Pfarrer Martin Bergau.
10. August 2025 – 8. Sonntag nach Trinitatis
Schuhe
„…Du stellst meine Füße auf weiten Raum.“ Psalm 31,9
Neulich stand ich wieder vor der Frage: Welche Schuhe? Es sollte losgehen, auf Reisen, die Wetterprognosen durchwachsen, der Platz begrenzt. Da durchstreifte ich das Sortiment von denen „für alle Gelegenheiten“ bis „praktisch und unverwüstlich“, nahm sie in die Hand. Es waren zu viele, klar. Ich musste mich entscheiden. Schuhe nehmen viel Platz weg. Und doch sind sie für das spätere Wohlgefühl unentbehrlich. Wer dann sagt, man könnte dann ja kaufen, wenn man unterwegs ist, hat wenig Vorstellung von Problemfüßen. Ein sensibles Thema!
Gute Schuhe sind wichtig. Und am liebsten sind ja die „eingelaufenen“, liebgewonnenen, deren Patina durch die Zeit ihnen nicht abträglich ist, sondern eine Auszeichnung ihrer Wertigkeit.
Früher gab es keine Sneakers, und eine größere Fülle auch nicht. Schuhe waren von gutem Leder und mussten halten, Investitionen, die bei wachsenden Kinderfüßen wohl zu berechnen waren.
Mein Vater pflegte morgens vor unserem Schulweg unsere Schuhe zu putzen. Sein prüfender Blick fiel zunächst auf den Zustand, bevor er zu Lappen und Bürste griff, nicht zu wenig Schuhcreme verwandte. Sie sollten glänzen, und das taten sie auch. Und ich bin gern in sie hineingeschlüpft, habe es als selbstverständlich genommen.
Vielleicht kommt von daher meine Liebe zu Schuhen, und von den „eingelaufenen“ kann ich mich nur sehr schwer trennen. Die Schuhe sind es ja, die zwischen unserem Körper und der Erde sozusagen vermitteln, spüren lassen und zugleich schützen. Wenn die Schnürsenkel gebunden werden, dann geht es los. Sie sind es, die uns abschließend auf unsere Wege bereiten.
In diesen Wochen sind sehr Viele auf Reisen, Schusters Rappen dabei. WhatsApp-Fotos sind ja die zeitgenössischen Postkarten, sie landen auch auf meinem Handy, und die Landschaftsbilder, die lachenden Gesichter der erholungssuchenden Menschen spiegeln die Freude an der Reise, der Abwechslung, dem Durchatmen nach arbeitsreichen oder sonst beschwerlichen Wochen.
Zuletzt haben wir in den Gottesdiensten in der Christuskirche ein Lied wieder aufgegriffen. Es ist ein Segenslied. Mir fällt es ein, wenn ich die Fotos auf meinem Handy sehe, wenn ich nach meiner Reise die abgewanderten Schuhe wieder mit schönster Creme erfreue und dabei an meinen Vater denke, wenn ich erfüllt bin von dem Wunsch, dass alle, die mein Leben in der letzten Zeit so bereichert haben, auch wieder wohlbehalten zurückkehren, erfrischt und mit neuer Kraft.
Auch habe ich dadurch daran Anteil, wie schön Gottes Schöpfung ist, wie die Erde nährt und Lebendiges bewahrt. Und natürlich schwingt immer die Sorge um die Gefährdung mit, die Zerbrechlichkeit auch.
Dann erfahre ich in diesem Wunsch erneut und wieder, dass in allem ein Segen liegen möge, für alle, ob nun auf Reisen oder zurückgekehrt – oder zu Hause, auf den Alltagswegen in den gewohnten Schuhen:
Der Herr segne dich und behüte dich und Freude leuchtet über deinen Wegen.
Der Herr segne dich und behüte dich; in seine Hände kannst du alles legen.
Der Herr segne dich und behüte dich, der auch den fernsten Stern beim Namen nennt.
Der Herr segne dich und behüte dich. Er ist´s, der auch dein Licht und Dunkel kennt.
Der Herr segne dich und behüte dich. Er ging für dich den Weg, der Liebe heißt.
Der Herr segne dich und behüte dich. Er leitet dich mit seinem guten Geist.
Amen, amen, amen, du gehst nicht allein.
Amen, amen, amen, es wird Friede sein.
https://www.youtube.com/watch?v=CAydvTiR3Hk
Das Lied ist von unserem Organisten Chris Paraskevopoulos eingespielt worden. Gesungen hat Jonas Möller, der vor einigen Jahren ein Praktikum in Athen absolviert und viele Gottesdienste mit seinem Gesang begleitet hat.
Pfarrer Martin Bergau
