Es ist Sommerzeit
Wenn in diesen Wochen kein Gottesdienst in der Kirche stattfindet, schicken wir Ihnen einen Sommerimpuls. Dieser erreicht Sie zu jedem Sonntagmorgen als ein Gruß aus der Gemeinde. Der Impuls ist individuell gestaltet, verbunden mit einem biblischen Wort, Gebet, einem Bild und persönlichen Gedanken dazu. Vorbereitet wird er von einer Gruppe aus der Gemeinde und in Absprache mit Pfarrer Martin Bergau.
17. August 2025 – 9. Sonntag nach Trinitatis
Wochenspruch. Lukas 12, 48
„Wem viel gegeben ist, bei dem wird man viel suchen; und wem viel anvertraut ist, von dem wird man umso mehr fordern.“
Evangelium. Matthäus 13. 44-46
Wenn es so etwas wie pures Glück gibt, dann ist es der Griechische Sommer: Die Städte leergefegt, viele Läden geschlossen, die Straßen ruhig und voller freier Parkplätze. Die Griechen sind mit ihren Famlien zusammen am Wasser. Dort geht es in diesen Wochen sommerlich-glücklich zu: Drei, vier Generationen vereint, Eltern und Großeltern haben Zeit und sind Turn- und Schwimmlehrer, Strandbaumeister, Eincremer, Sänger, Bademeister, Vorleser, Chauffeure.
Dieses Glück ist, wie wir sagen, der ‚Himmel auf Erden‘. Das Himmelreich ist also nicht etwas, das wir nur in einer himmlischen Zukunft bei Gott, bei Jesus, irgendwann einmal nach dem Tod finden werden. Sondern es ist hier und jetzt um uns, mitten unter uns. Das biblische Himmelreich ist unser Glück, so können wir uns das vielleicht vorstellen.
Um das Suchen und Finden des Glücks geht es im heutigen Evangeliumstext in Matthäus 13, 44-46 in den Gleichnissen vom Schatz im Acker und dem der Perle.
Das Himmelreich gleicht einem Schatz, verborgen im Acker, den ein Mensch fand und verbarg; und in seiner Freude geht er hin und verkauft alles, was er hat, und kauft den Acker.
Wiederum gleicht das Himmelreich einem Kaufmann, der gute Perlen suchte, und da er eine kostbare Perle fand, ging er hin und verkaufte alles, was er hatte, und kaufte sie.
Der eine der beiden sucht gar nicht – viele unter uns sind nicht mehr neugierig, interessieren sich nicht mehr, haben das Fragen verlernt, suchen die Gemeinschaft nicht. Und finden dennoch. Andere suchen, gehen mit offenen Augen durch die Welt, staunen, wollen immer weiter lernen. Manche geradezu rastlos darin, das Ideale zu suchen.
Im Gleichnis geben beide alles, um den Acker und die Perle zu besitzen, die ihnen kostbar sind. Mit denen sie ihr Glück gefunden haben.
Was ist für uns, für Sie, das Glück, nach dem Sie sich sehnen? Und worin haben Sie schon gefunden, was Sie und Ihr Leben glücklich macht?
„Die Stunde füllen, das ist Glück“ – der Schriftsteller und Pastor Ralph Waldo Emerson verweist uns auf unseren inneren Reichtum. Wir finden das Glück ja in uns selbst: In unseren Gaben und Talenten. Das, was uns glücklich macht, ist in uns angelegt. Wir kennen alle ganz gut unsere Mängel, aber alle können wir doch etwas Besonderes. Ihre wunderbaren Kuchen etwa, die in jedes Zusammensein unserer Gemeinde oder Ihrer Familien Freude bringen. Ein zugewandtes Wort, zuhören, fragen, lächeln, erzählen, Verantwortung, die Sie für andere übernommen haben: Schreiben Sie auf eine Liste, was Sie gut können und Sie werden staunen, was da zusammenkommt.
Eines meiner Kinder notiert am Abend, welches der schönste Augenblick des Tages war. So kann man glücklich in den Schlaf finden.
Die beiden Gleichnisse, die Matthäus uns aufgeschrieben hat, sind Geschichten vom Suchen und Finden. Von der Freude des Findens. Unsere Leben sollten bis zum letzten Tag voll vom Bemühen sein, Menschen zu suchen, uns alter Freunde zu erinnern. Wie groß ist die Freude, wenn wir jemanden gefunden haben – wie besonders die Freude, im Finden selbst gefunden worden zu sein.
Jesus erzählt von der Freude Gottes. Davon, wie Gott sich freut, uns zu finden. Auch den verlorensten Menschen will Gott finden. Gott wird alles einsetzen für uns, seine kostbaren Schätze und Perlen.
Und Jesus will uns mit dem doppelten Gleichnis sagen: Erkenne, dass Du und was Du gerade findest. Da ist Gott. Dir begegnet gerade der Himmel auf Erden. Lasse Dich auf ein Leben mit Gott ein. Er wird Dich behüten. Du findest gerade das, was Dich im Leben glücklich macht – wie der Schatz im Acker und die eine Perle die beiden Menschen im Gleichnis. Es ist eine Freude, in der Gegenwart Jesu zu leben. „Vor Deinem Angesicht ist Freude in Fülle“, sagt Psalm 16.
Wer sich in unserer Gegenwart von seinen Gaben nicht selbst fordern lässt, der wird wohl an dem gesuchten Glück vorbeilaufen.
Davon sind die glücklichen Kinder an Griechenlands schönen Stränden weit entfernt. Sie sind pure Freude. Und ich freue mich, wenn ich ihnen dabei zusehe, wie sie ihr Himmelreich auf Erden genießen.

Wochengebet.
Wir suchen dich, Ewiger Gott,
und du lässt dich finden.
Wir sind unterwegs zu dir.
An unserer Seite
die Menschen, die uns nahe sind.
die Kranken mit ihren Schmerzen,
die Bedrückten mit ihren Sorgen.
Komm uns entgegen, Ewiger, und erbarme dich.
Wir sind unterwegs zu dir.
Die vom Krieg Gequälten fragen nach dir,
die vor Krieg und Gewalt Geflüchteten.
Die Hungernden verlieren ihren Mut.
Antworte ihren Klagen – erbarme dich.
Wir sind unterwegs zu dir.
Die Schöpfung sucht und preist dich an jedem Morgen.
Wir freuen uns an ihr in diesen sommerlichen Tagen.
Wir suchen dich, Ewiger,
Wir suchen dich in deinem Wort.
Wir suchen dich in Brot und Wein.
Komm uns entgegen, heute und morgen
in Jesus Christus, unserem Bruder und Herrn.
Wir bitten dich für die Menschen,
die du uns an die Seite stellst.
Amen
Auszüge aus einem Gebetstext von
Pfarrerin Dr. Katharina Wiefel-Jenner (VELKD)
Choral der Bach-Kantate ‚Was frag ich nach der Welt‘
Von 1723 bis zu seinem Tod hatte Johann Sebastian Bach (1685-1750) als Thomaskantor in Leipzig die Verpflichtung, für jeden der Sonn- und Feiertage eine Kantate zu schreiben, eine Art Wortverkündigung durch Musik. Jede Kantate endet mit einem Choral, einer Kirchenliedmelodie.
Bach komponierte zum 9. Sonntag nach Trinitatis des Jahres 1724 die Kantate „Was frag ich nach der Welt“. Der Kantatentext hat den Gegensatz zwischen der vergänglichen Welt und Jesus zum Thema.
Sie hören im nachstehenden Link den Schlusschoral der Kantate in einer Aufnahme des
Amsterdam Baroque Orchestra & Choir von 2007 unter der Leitung von Ton Koopman
https://www.youtube.com/watch?v=yrVgj61_RgI&list=RDyrVgj61_RgI&start_radio=1
Ich wünsche Ihnen einen schönen Sonntag.
Ulrich Wacker
