UNSER FENSTER IN DER CHRISTUSKIRCHE – EINE PREDIGT IN FARBEN

Entwurf: Walter von Ruckteschell
Ausführung: Vereinigte Süddeutsche Werkstätten des Mosaik- und Glasmalereikünstlers Wilhelm Pütz unter Mitarbeit von Paul von der Forst.

In seiner Farbigkeit mag es manchen Besucher an die Ikonenwand in orthodoxen Kirchen erinnern. Es trennt jedoch kein Allerheiligstes vom Gläubigen ab wie die Ikonostase, sondern steht hinter dem Altar und dem Kreuz. Auch will es keine Abbilder von Urbildern dem Gläubigen vor Augen führen. Aber wie bei der Ikone liegt seine Aussage nicht nur auf der ästhetischen Ebene. Wer sich in diese Bilder hineinvertieft, wird auf den Grund unseres christlichen Glaubens hingewiesen. Bild und Wort wollen beide sprechen, denn auch Bibelworte sind in die Darstellung mit aufgenommen. Man könnte das Fenster vielleicht eine Predigt nennen – eine Predigt in Farben.

Demjenigen, der zum ersten Mal die Fülle der Bilder auf sich einwirken lässt, erschließt sich vielleicht noch nicht die innere Gliederung des Ganzen. Es geht ihm wie beim Hören eines großen Orgelwerks mit vielen Stimmen über einer tragenden Bassstimme, die er erst nach einem wiederholten Hören erkennt. So ruht auch die Komposition des Fensters, so könnte man sagen, auf einer tragenden Grundstimme. Es ist das Kreuz, durch das es formal gegliedert und in seinen Aussagen bezogen ist. Die Kreuzform wird durch die mittleren Fensterabschnitte gebildet. In gelblich-bräunlichen Tönen zeichnet sie sich innerhalb der größeren Farbigkeit der äußeren Fensterabschnitte ab. Darin finden wir schon einen Hinweis auf das, was durch das Fenster theologisch zum Ausdruck gebracht werden soll: Im Zentrum unseres Glaubens steht das Kreuz Jesu Christi. Und sicher ist es auch kein Zufall, dass dieses Kreuz nicht dunkel und schwer wirkt, sondern in die goldene Farbe des Lichts getaucht ist, in der Symbolik der alten Kirche die Farbe des Heiligen Geistes. Etwas vom Glanz der Auferstehung scheint auf dieses Kreuz zu fallen. Dass Kreuz und Auferstehung zusammengehören und aufeinander bezogen sind, wird auch noch auf andere Weise im Fenster deutlich. Die Darstellungen von Kreuzigung und Auferstehung liegen beide an Eckpunkten, ganz links unten und ganz rechts oben, und sind so einander diagonal gegenübergestellt.

Der aufsteigende Kreuzesbalken im Fenster schließt in sich die Bilder der vier Evangelisten Matthäus, Markus, Lukas und Johannes. Sie haben ernste, gesammelte Gesichter. Fast knabenhaft jung ist Matthäus dargestellt, alt und reif Lukas, fast ein wenig asketisch und streng wirken Markus und Johannes. Vielleicht müssen wir an die Zeit des 3. Reiches denken, in der es um die mutige Bezeugung des Evangeliums ging, oft unter Einsatz des eigenen Lebens, wie ja auch in den Tagen der ersten Christenheit. Den Evangelisten sind ihre vier uralten Symbole beigegeben: Mensch, Löwe, Stier und Adler. Jeder der vier Männer hält das Evangelium, das Wort Gottes, in der Hand wie einen kostbaren Schatz. „Im Anfang war das Wort“, beginnt das Johannesevangelium. Das Hören des Wortes ist die Grundlage unseres Glaubens, will uns das Fenster vermitteln. Die vier Männer stehen im Licht des Kreuzes, scheinen aber auch wie von einem inneren Feuer verzehrt zu werden, so als seien sie sichtbar vom Heiligen Geist durchdrungen.

„Sei getrost bis in den Tod, so will ich dir die Krone des Lebens geben“ (Offb. Joh. 2, 10), lautet die zwischen den Evangelisten in dem vertikalen Kreuzesbalken aufsteigende Inschrift. Man muss hinter den Altar treten, um sie lesen zu können, da sie sonst durch das große Holzkreuz verdeckt wird. Über den Evangelisten sind zwei Engel zu erkennen, die eine goldene Krone tragen. Die Krone in ihrer geschlossenen Kreisform bedeutete für das Mittelalter ein Sinnbild der Vollendung, des ewigen Lebens. Diese Symbolik drängt sich auch uns beim Betrachten dieses Kunstwerks des 20. Jahrhunderts auf. Die Bibel weiß, dass ewiges Leben bereits unser irdisches Leben durchdringen kann, wenn sich der Mensch nur dafür öffnet. Etwas davon scheint mir persönlich im Fenster dadurch ausgedrückt zu sein, wie die Krone Strahlen aussendet, welche auf die vier Männer fallen zu scheinen. Natürlich lässt wie jedes Kunstwerk auch dieses, viele Möglichkeiten zu Interpretationen offen, und jeder muss zu seiner eigenen Interpretation mit dem Dargestellten finden.

Man könnte das Fenster eine Predigt, aber auch ein Glaubensbekenntnis nennen. „Also hat Gott die Welt geliebt“, beginnt die große, horizontale Inschrift in den unteren Fensterabschnitten. Gott, der Vater, wird als Urheber des Heilsgeschehens bezeugt. Er sendet den Sohn, dessen irdischer Lebensweg, dargestellt in Bildern auf der linken Fensterseite, am Kreuz endet. Und das, was nach Ostern durch den Heiligen Geist im Pfingstgeschehen bewirkt wurde und darauf folgend die Bildung von Gemeinde, von Kirche, wird in der rechten Fensterhälfte zum Ausdruck gebracht. Dem irdischen Jesus auf der linken Fensterseite steht der erhöhte Christus auf der rechten Fensterseite gegenüber, der den Jüngern seinen Geist sendet und sie zu Verbreitern der Botschaft macht.

Es ist also das Bekenntnis zu dem dreieinigen Gott, das sich wie ein roter Faden durch die Bilderfolge unseres Kirchenfensters hindurchzieht. Vor allem den beiden letzten Artikeln unseres Glaubensbekenntnisses folgt die Darstellung, noch Taufe und Abendmahl als die beiden Sakramente unserer Kirche mit einbeziehend. So führt die von links oben absteigende Folge der Bilder, beginnend mit Jesu Geburt, über seine Taufe und sein letztes Abendmahl mit seinen Jüngern bis hin zum äußersten Tiefpunkt, Jesu Erniedrigung am Kreuz, mit dem alles zu Ende zu sein schien. Aber dann setzt die abgebrochene Linie am höchsten Punkt oben rechts wieder neu an mit Christi Auferstehung – formale Gliederung des Fensters und theologische Aussage decken sich hier auf besonders schöne und eindringliche Weise – und leitet über das Pfingstgeschehen und die Bekehrung des Paulus hin zur Rede des Paulus auf dem Areopag zu Athen. Damit wird ein direkter Bezug zur Athener Gemeinde hergestellt, die sich hier gewiss besonders angesprochen fühlen soll. Betrachten wir nun noch ein wenig näher diese acht Bilder.

Die Geburt Jesu. Mit sparsamen Mitteln drückt sich der Künstler aus, beschränkt sich ganz auf das Wichtigste. Hier finden wir nicht die von alten Bildern her vertraute Szenerie mit Stall und Krippe, Ochs und Esel und den himmlischen Heerscharen. Es geht nur um das Geheimnis der Menschwerdung des Gotteskindes, in dem die Liebe des Allerhöchsten sichtbar und begreifbar wird. Aller Augen richten sich auf dieses Kind. Drei Gruppen von Menschen werden gleichsam durch ihre Blickrichtung auf das Kind zusammengeschlossen. Es ist, als liefen drei unsichtbare Linien auf das Kind zu. Von links kommen die Hirten, Schafe als Geschenk bringend, in der Mitte sind Maria und Josef zu erkennen, von rechts drängen sich die Weisen herbei, als Könige dargestellt, die Schätze in den Händen halten. Aber der erste Hirt und der erste Weise beugen sich gleich tief nieder zu dem Kind, vor dem es keine Unterschiede der Person, der Rasse und Herkunft, der Bildung, des Ansehens und des Reichtums gibt. Und das Kind segnet sie und alle Menschen mit seinen kleinen Händen. Im Hintergrund wirft der Stern der Geburt eine leuchtende Straße. Das Kind, das von Gott kam, wird seinen Weg bis zum Kreuz gehen.

Die Taufe. Jesu Taufe ist wie die auch rechts gegenüberliegende Darstellung des Pfingstgeschehens, mit einbezogen in das sich in gelbem Licht abzeichnende Kreuz. Ist das Zufall? Haben Taufe und Kreuz etwas miteinander zu tun? Paulus gibt die Antwort! „So sind wir ja mit ihm begraben durch die Taufe in den Tod, damit gleichwie ist Christus auferweckt von den Toten durch die Herrlichkeit des Vaters, also sollen auch wir in einem neuen Leben wandeln“ (Röm. 6,4). So ist die Taufe von Kreuz und Auferstehung her zu verstehen. Das Wasser symbolisiert das Sterben des alten Menschen, ein neuer Mensch wird geboren. Walter von Ruckteschell stellt dar, wie Christus, der Urheber der christlichen Taufe, sich selbst zu Beginn seiner Wirksamkeit von Johannes taufen lässt, sich demütig neigend. Und der Geist Gottes erscheint gleich einer Taube, Strahlen aussendend. „Dies ist mein lieber Sohn, an dem ich Wohlgefallen habe“ (Math.3, 17), lautet die Schrift. Die Einbeziehung dieser Szene in die Kreuzform lässt vermuten, dass der Künstler nicht an die Taufe Jesu als einmaliges Ereignis, sondern an das Sakrament der Taufe überhaupt gedacht hat.

Das Abendmahl. Dies ist keine übliche Abendmahlsdarstellung. Nur zwei Jünger sitzen mit Jesus am Tisch, aber der Tisch ist so gestaltet, als setze er sich in den Kirchenraum hinein fort. Sitzen wir mit am Tisch? Man wird auch an Emmaus erinnert, an Jesu Mahl mit den beiden Jüngern am Abend. Walter von Ruckteschell versteht es, vieles in einem einzigen Bild anklingen zu lassen und zusammenzufassen. Der da wie ein Hoherpriester zwischen seinen Jüngern sitzt, ist schon nicht mehr der irdische Jesus, sondern ganz der erhöhte Christus. Besonders eindringlich ist die Geste, mit der er Brot und Wein segnet. „Nehmet hin und esset, das ist mein Leib“, „Trinket alle daraus, das ist mein Blut“ (Math. 26, 26-28), lautet die Inschrift. Wie schon bei der Taufe geht es auch hier um das Sakrament des Abendmahls, nicht nur um das letzte Abendmahl Jesu mit seinen Jüngern.

Jesus am Kreuz. Jesu irdischer Weg bricht am Kreuz ab. Die Grausamkeit und Sinnlosigkeit des Kreuzesgeschehens spiegelt sich auf dem schmerzgezeichneten Gesicht Marias links unter dem Kreuz wider. Rechts stehen vermutlich Maria Magdalena und Johannes. Auch auf vielen Bildern alter Kunst finden wir Menschen unter dem Kreuz. Das Besondere an dieser Darstellung ist jedoch, wie sich diese Menschen unter die Arme Jesu schmiegen wie unter einen schützenden Baum. Sie suchen seine Nähe und werden durch sie auch untereinander zusammengeschlossen. Von dem Holz des Kreuzes ist nur wenig zu sehen, der tote Leib des Gekreuzigten steht ganz im Vordergrund, auf einer Ebene mit den Menschen, aber sie dennoch überragend, mit überweit ausgebreiteten Armen, als wolle der Gekreuzigte in seiner Liebe den gesamten Kosmos umfassen. „Vater vergib ihnen, denn sie wissen nicht, was sie tun“ (Luk. 23, 34) steht rechts und links geschrieben. Ich glaube, dieses Bild drückt etwas vom Geheimnis des Kreuzesgeschehens aus, der Liebe Gottes zum Menschen bis in die Tiefen von Leid, Schmerz und Tod. Es ist eine Nähe, die sich nicht beweisen, nur erfahren lässt. Im Gegensatz zu dem Schmerzensausdruck der Maria liegt auf dem Antlitz Jesu tiefer Frieden. Es ist nicht mehr das Gesicht des mit dem Tode Ringenden, sondern dessen, der sagt: „In der Welt habt ihr Angst, aber seid getrost, ich habe die Welt überwunden“ (Joh. 16, 33).

Die Auferstehung. Ein Geschehen wie die Auferstehung entzieht sich eigentlich jeder bildlichen Darstellung. Vor dieser Schwierigkeit steht jeder Künstler. Walter von Ruckteschell hat hier offensichtlich versucht, Symbole ins Bild zu setzen. Ein Grab, schmal und eng, das all unsere Ängste, Trauer und Hoffnungslosigkeit angesichts des Todes zum Ausdruck bringen kann. Die Hilflosigkeit der vier bewaffneten Wächter, die teils schlafen, teils sich vor Entsetzen abwenden und das, was da geschieht, trotz aller Macht des Staatsapparates, der hinter ihnen steht, nicht aufhalten können. Der Auferstandene, der noch die Wundmale an seinen Händen trägt, steigt aus dem Grab empor, den Rahmen des Bildes sprengend und überschreitend wie das, was da geschieht, unser Fassungsvermögen weit überschreitet. Christus ist von einem glänzenden Nimbus umstrahlt. Dieses Bild ist mit dem folgenden von Pfingsten so eng verbunden, dass man auch an Christi Himmelfahrt erinnert wird. Der Auferstandene scheint über den Köpfen der versammelten Jünger gen Himmel zu schweben. Wieder zeigt sich Walter von Ruckteschells Fähigkeit, vieles in einem einzigen Bild zusammenzuschauen.

Pfingsten. Das Fehlen einer optischen Trennung zwischen Auferstehungsbild und Pfingstbild zeigt auch, wie sehr Christi Auferstehung auf die Menschen bezogen ist, die an ihn glauben. Das Licht des Auferstandenen im obersten Bild rechts scheint sich über die an Pfingsten versammelten Jünger zu ergießen. Der Heilige Geist, den Christus ihnen sendet, erscheint wie auf alten Bildern in kleinen, aber kaum erkennbaren Flammenzungen auf den Köpfen der Versammelten. Dicht beieinander stehen diese Menschen, fast eine Kreisform bildend. Was sie zusammenschließt, ist das vom Himmel herabströmende Licht, das ihre Gestalten umspielt. Auf den Gesichtern der Jünger spiegelt sich ein unfassbares Geschehen wider. Erstaunen, ja Entsetzen, Sammlung, Verzückung sind zu erkennen. Was die Gesichter ausdrücken, setzt sich in der Gestik derber Hände fort, die zum Gebet gefaltet oder geöffnet und erhoben sind. Jeder der Männer antwortet auf seine Weise, aber alle werden ergriffen und mitgerissen, über sich selbst hinausgeführt. Ihre Füße scheinen fast ein wenig über dem Boden zu schweben. Jeder erfährt den Geist des Auferstandenen als eine Macht, die alles Bisherige sprengt. Wie die vier Evangelisten und das Bild der Taufe, so ist auch das Bild von Pfingsten mit in die Kreuzform einbezogen und so an besondere Stelle gerückt. Wie an Pfingsten, so wirkt in der Taufe und in der Verkündigung des Evangeliums der Heilige Geist als verwandelnde, neuschaffende Kraft. Von nun an werden die Jünger Jesu Zeugen sein „bis an das Ende der Erde“ (Apg. 1, 8). Einer der größten Zeugen wird im folgenden Bild gezeigt: Paulus.
Paulus vor Damaskus. Der vom Auferstandenen ausgehende Lichtstrahl, der sich über die Pfingstgemeinde ergießt, scheint sich noch fortzusetzen. Er berührt zuletzt auch Saulus, den Christenverfolger. An dessen Seite steckt noch das Schwert, Zeichen seines unbarmherzigen Vorhabens gegen die Christen zu Damaskus. Wieder zeigt sich des Künstlers außergewöhnliche Gabe der Konzentration. Keiner der Begleiter des Saulus ist mit im Bild, sondern ganz allein der hilflos ins Knie gesunkene spätere Apostel. Er kann nicht weiter, ist geblendet und völlig in die Enge getrieben, es ist nicht nur ein äußerer, sondern auch ein innerer Hohlweg, eine Sackgasse. Man glaubt, seinen verzweifelten Versuch zu sehen, mit der rechten Hand den Strom von Licht, der auf ihn zukommt, einzudämmen, während sich seine linke vielleicht schon sehr zögernd öffnet. Und Saul hört die Stimme Jesu: „Saul, ich bin Jesus. Was verfolgst du mich? Es wird dir schwer werden, wider den Stachel zu löcken“ (Apg. 9, 5 alte Lutherbibel). Optisch erscheinen diese Worte wie ein undurchdringliches Mauerwerk, das Saul von rechts und links und von oben einzwängt. Er kann nicht weiter nach seinem eigenen Willen entscheiden, sondern muss der Stimme Jesu folgen.

Paulus in Athen. Aus Saulus ist Paulus geworden, aus dem Verfolger der Heidenapostel, der die Botschaft Christi über die Grenzen des Judentums hinausgetragen hat. Christus hat ihm die Chance zu totaler Umkehr eingeräumt. Ganz stark hat der Künstler den Gegensatz zwischen äußerster Hilflosigkeit des am Boden knienden Saul und gespannter Kraft des mit einem entschlussbereiten Schritt auf die Rednertribüne der Agora zu Athen steigenden Paulus herausgearbeitet. Aber Paulus selbst hat immer wieder darauf hingewiesen, dass es nicht seine eigene Kraft ist, die in ihm wirkt, sondern die Kraft Christi in ihm. Im Hintergrund schimmert in Schönheit und Ebenmaß die Akropolis auf. Sie ist das Symbol der antiken Welt, einer Welt, in welcher der Mensch das Maß aller Dinge ist und die Götter nur ins Überdimensionale gesteigerte Menschen sind.

Wie eine undurchdringliche Mauer stehen die Athener da, Skepsis auf ihren Gesichtern. Sie sind stolz auf ihren Fortschritt, ihre Philosophie und ihre prächtigen Tempel. Aber „Gott wohnt nicht in Tempeln, von Menschen gemacht“ (Apg. 17, 24), ruft ihnen Paulus zu. Mit der linken Hand weist er auf den Altar des unbekannten Gottes (ΤΩ ΑΓΝΩΣΤΩ ΘΕΩ), den die Athener mehr als Rückversicherung gebaut haben, aus Furcht, vielleicht einen der vielen Götter vergessen zu haben. Der Gott, den Paulus verkündet, ist nicht einer von vielen. Er ist der Schöpfer der Welt, der Jesus Christus auferweckt hat von den Toten. Mit der rechten Hand weist Paulus auf das Kreuz hin. Und auch die Arme des Apostels bilden in einer sicher bewusst vom Künstler gestalteten Entsprechung zum Gekreuzigten auf dem gegenüberliegenden Bild der linken Seite fast ein Kreuz. Paulus selbst schreibt ja auch von sich, er trage durch seine Leiden um Christi willen das Kreuz Christi an seinem Leibe. So führt unsere Betrachtung zuletzt wieder zum Ausgangspunkt und zum Zentrum des Fensters zurück: dem Kreuz Jesu Christi.

Die Aussage des Fensters wird noch einmal zusammengefasst durch die am Fuße des Fensters in großen Buchstaben graphisch schön gestaltete Stelle aus dem Johannesevangelium: „Also hat Gott die Welt geliebt, dass er seinen eingeborenen Sohn gab, auf dass alle, die an ihn glauben, nicht verloren werden, sondern das ewige Leben haben“ (Joh. 3, 16).

Gerburg Tsekouras